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Begrünte Ruine

Bei dem Berliner Büroprojekt Telegraph haben &MICA Architekten einen historischen Gebäuderest mit einem modernen Anbau verbunden. Beton als Baumaterial erfüllt dabei nicht nur ästhetische, sondern auch nachhaltige Funktionen. Mit dem Projekt gewannen die Planer den Architekturpreis Beton.

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  • Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstörten das ehemalige Berliner Telegraphenbauamt schwer. Lange Zeit blieben seine Mauerreste sowie das recht gut erhaltene Rückgebäude ungenutzt, bevor es die Architekten von &MICA behutsam zu einem Bürokomplex umbauten, der Alt und Neu verbindet. Denn der terrassenförmige Neubau aus Beton folgt dem ästhetischen Motto einer begrünten Ruine, die von der Natur zurückerobert wird. Zugleich blieben markante Details des Altbaus wie historische Ziegelkappendecken, Wände mit abgeblätterter Farbe, Pfeiler und Brüstungen im Altbau erhalten. Bepflanzte Höfe verbinden die Gebäudeteile.

    Großzügige Balkone stellen den Bezug zur Umgebung her. Foto: © Sebastian Schramm
    Großzügige Balkone stellen den Bezug zur Umgebung her. Foto: © Sebastian Schramm
    Gemeinschaftsflächen fördern den Zusammenhalt unter den Mietern und Mieterinnen. Foto: © Sebastian Schramm
    Gemeinschaftsflächen fördern den Zusammenhalt unter den Mietern und Mieterinnen. Foto: © Sebastian Schramm
    Mit dem Neubauprojekt Telegraph in Berlin verbindet das Architekturbüro &MICA denkmalgeschützten Bestand und moderne Architektur. Foto: © Sebastian Schramm

    Beton als Baumaterial ermöglicht expressive Stützenformen im Eingangsbereich des Neubaus. Sie werden nach oben hin breiter und bilden auf diese Weise den Kräfteverlauf des Gebäudes nach. Zugleich lassen die zurückspringenden Geschosse den Neubau weniger massiv wirken. Doch die Wahl des Baumaterials hat nicht nur ästhetische Aspekte. „Die Nutzung von Beton ermöglicht bei diesem Projekt ein optimales Bauvolumen für eine effiziente und umweltfreundliche Klimatisierung. Die Betondecken im Inneren ermöglichen sowohl Heizung als auch Kühlung durch Betonkerntemperierung“, sagt Andreas Michaels, Geschäftsführender Gesellschafter von &MICA.

    Die Nutzung von Beton ermöglicht bei diesem Projekt ein optimales Bauvolumen für eine effiziente und umweltfreundliche Klimatisierung.

    Andreas Michaels
    -
    Geschäftsführender Gesellschafter von &MICA

    Nachhaltig auf allen Ebenen

    Ein innovatives Energiekonzept trägt zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei, das über eine DGNB-Gold Zertifizierung verfügt. Im Alt- und Neubau kommt für die Heizung und Kühlung Geothermie zum Einsatz. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung schafft im Neubau ein angenehmes Klima.

    Photovoltaikanlagen versorgen das Gebäude mit Strom. Doch &MICA Architekten begrenzen das Thema Nachhaltigkeit nicht nur auf die Bauweise. Das Projekt fördert auch eine nachhaltige Mobilität, unter anderem durch rund 220 Fahrradstellplätze inklusive Duschen und Umkleiden sowie Wartungseinrichtungen. Ein Café im Erdgeschoss sowie Sitzgelegenheiten im Freien stärken das soziale Miteinander. Alle Gebäude und Nutzungseinheiten sind barrierefrei zugänglich.

    Ein Wegenetz über drei Höfe verbindet die unterschiedlichen Gebäude; die Höfe wurden gestaltet von den Landschaftsarchitekten von Atelier le balto. Foto: © Sebastian Schramm

    Die vielseitige Bepflanzung dient als Feinstofffilter, reduziert den Lärm und stärkt die Biodiversität. In den umliegenden Mauern gibt es Nistkästen für Mauersegler und Haussperlinge sowie Winterquartiere für Fledermäuse. Um Hitzeinseln zu vermeiden, versickert ein Großteil des anfallenden Niederschlagswassers oder wird in Retentionsvolumen zwischengespeichert. Um den Neubau mit seinen auskragenden Balkonen als „Ruine“ zu begrünen, arbeiteten &MICA mit den Landschaftsarchitekten von Atelier le balto zusammen. Sie bestückten die Betonplateaus jedes Geschosses mit Gabionen, die statt mit Steinen mit einem Nährsubstrat gefüllt sind und von allen fünf Seiten bepflanzt wurden. „Das Konzept stammt aus Japan. Wir haben es für den europäischen Raum adaptiert und mit heimischen Pionierpflanzen bestückt“, erklärt Andreas Michaels. In drei sorgfältig kuratierten Gärten greift Atelier le balto auf die typische brandenburgische Vegetation zurück.

    Ob Schulen, Hotels oder Bahnhöfe – das Berliner Architekturbüro Grüntuch-Ernst arbeitet im Bestand, entwirft aber auch spannende Neubauten wie aktuell ein Bürohaus mit begehbarem Dachpark. Im Zentrum steht für die Gründer Almut Grüntuch-Ernst und Armand Grüntuch dabei ein enger Bezug zur Natur und zur Umgebung.

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    Bei der Planung des Telegraphs dachten die Architekten den Rückbau gleich mit. Sie verzichteten auf eine aufwändige mehrschichtige Bauweise zugunsten großflächiger recycelbarer Holzfensterfassaden. Die einzeln angeordneten Pflanzkörbe können ebenfalls gut rückgebaut und recycelt werden. Viel Wert wurde auch auf die Verwendung von Baustoffen und Verarbeitungsweisen gelegt, die sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Umwelt unbedenklich sind.

    Die Gestaltung in Sichtbauweise zeichnet die Ästhetik von Telegraph Berlin aus. Foto: © Sebastian Schramm
    Die Gestaltung in Sichtbauweise zeichnet die Ästhetik von Telegraph Berlin aus. Foto: © Sebastian Schramm
    Farbliche Kontraste bestimmen das Treppenhaus. Foto: © Sebastian Schramm
    Farbliche Kontraste bestimmen das Treppenhaus. Foto: © Sebastian Schramm

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    Die denkmalgeschützte Fassade gehörte früher zu einem Post- und Telegraphenbauamt. Foto: © Sebastian Schramm

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