Ulrich Nolting, Geschäftsführer des InformationsZentrums Beton (IZB) in Düsseldorf, ist nicht nur Marketingprofi, sondern auch gelernter Stahlbetonbauer. Mit Kampagnen und Veranstaltungen unterstützt das IZB die Mitgliedsunternehmen bei der Kommunikation und klärt über neue Normen und Anwendungsbereiche auf. Im Interview spricht er über die aktuellen Herausforderungen einer innovativen Branche.
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Herr Nolting, was genau macht das IZB?
Ulrich Nolting: Als InformationsZentrum Beton sind wir ein gemeinsames Marketingunternehmen der Zement- und Beton-Hersteller in Deutschland. Wir agieren praktisch wie eine unternehmensübergreifende Marketingabteilung. Finanziert werden wir im Wesentlichen von den Zementherstellern in Deutschland, angefangen bei großen Konzernen bis hin zu den mittelständischen Unternehmen. Da wir es mit einem genormten Produkt zu tun haben, macht es Sinn, mit einer Stimme zu sprechen. Denn als Baustoff steht Beton in Konkurrenz zu anderen Baumaterialien, im Hochbau beispielsweise zu Ziegel, Kalksandstein oder Holz, im Straßenbau zu Asphalt und Naturstein. An dieser Aufzählung merkt man schon: Egal, wo wir uns im Bauen bewegen, wir sind mit dem Beton immer dabei.
Egal, wo wir uns im Bauen bewegen, wir sind mit dem Beton immer dabei.
Wie kommunizieren Sie diese Stärken?
Ulrich Nolting: Ganz klassisch über Anzeigen im Print- und Nonprintbereich sowie per Kommunikation in den Social Media. Dann haben wir Kolleginnen und Kollegen, die als Bauingenieure technische Beratungen durchführen und zu allen Fragen der Anwendung im Betonbau Antworten geben. Zudem gibt es in den Regionen Marketing-Projektleiter, die den Kontakt in die Kommunalverwaltungen suchen und im Austausch sind mit regionalen Architekten- und Ingenieurkammern. Die Arbeit mit diesen berufsständischen Vertretungen werden von unseren jeweiligen Länderbüros organisiert und koordiniert. Von dort aus planen wir auch unsere Kongresse und Seminare. Inhaltlich geht es zum Beispiel bei unseren technischen Seminaren um wasserundurchlässige Bauwerke, Sichtbeton oder kommunale Verkehrsflächen. Im Augenblick bildet zudem die neue Norm DIN 1045, die ab Herbst 2024 gelten wird, einen wichtigen Schwerpunkt. Da gibt es viel Aufklärungsbedarf bei Architekten, Planern und Vertretern der öffentlichen Hand.
Was treibt die Branche noch um?
Ulrich Nolting: Wir beschäftigen uns intensiv mit den Veränderungen in der Zement- und Betonindustrie und begleiten diese kommunikativ. Es geht uns um die Glaubwürdigkeit unserer Baustoffe. Wir informieren Planerinnen und Planer über Möglichkeiten, den Materialeinsatz und die CO2-Emissionen bei konkreten Bauvorhaben zu berücksichtigen. Ein Beispiel: Ich kann einem Planer schlecht erzählen, welche Produkte verfügbar und welche Kennzahlen damit verbunden sind, muss jeweils anhand konkreter Produktdaten und Nachweise bewertet werden. Zu erklären, dass sich die Industrie auf den Weg gemacht hat, politische und gesellschaftliche Forderungen umzusetzen, und dies auch tun wird, all das können wir kommunizieren.
Zu Ihren Events gehört auch die Betonkanu-Regatta für Studierende. Was steckt dahinter?
Ulrich Nolting: Das Konzept kommt ursprünglich aus den USA und wurde dann in Europa zuerst von den Kollegen in Holland aufgegriffen. Während es dort von den Universitäten organisiert wird, macht das hier die Industrie unter Einbeziehung der Hochschulen. Hintergrund des Wettbewerbs ist, dass wir über ein spielerisches und wettkampfartiges Konzept den jungen Leuten, die irgendwann mal in unserer Branche landen, die also Bauingenieurwesen oder Architektur studieren, ermöglichen, kreativ mit dem Baustoff Beton umzugehen. Am Bau der Boote lässt sich immer gut ablesen, wo gerade die Forschungsschwerpunkte der Universitäten liegen. Zugleich lernen die Teilnehmenden, im Team zu arbeiten. An den allgemeinbildenden Schulen schreiben wir mit dem Beton Art Award außerdem einen Kunstwettbewerb aus. Mit entsprechenden Unterrichtsheften können Schülerinnen und Schüler in einem Jahr ein Kunstwerk aus Beton kreieren. Eine Jury kürt die Gewinner und Gewinnerinnen.
Schwimmender Beton
ProjekteBei der Deutschen Betonkanu-Regatta am Brandenburger Beetzsee bewiesen Studierende, dass sich Beton auch für den Schiffsbau eignet. Cemex unterstützte zwei Teams.
Was ist denn für Sie das Einzigartige am Baustoff Beton?
Ulrich Nolting: Zum einen ist es ein natürliches Material. Im Wesentlichen handelt es sich, trotz eines gewissen Verarbeitungsprozesses, um Kalkstein. Dass dieser, wenn man ihn brennt und mahlt, unter Zugabe von Wasser fest wird, ist für mich das Faszinierende überhaupt. Der Rohstoff ist auf der ganzen Welt verfügbar. Wir können damit die Bauaufgaben und Bedürfnisse der ganzen Menschheit abdecken. Das finde ich unfassbar herausragend. Beton besteht überwiegend aus mineralischen Ausgangsstoffen und wird in der Regel regional hergestellt. Beton kann nach seinem Rückbau aufbereitet und je nach technischen und normativen Voraussetzungen als rezyklierte Gesteinskörnung eingesetzt werden. Bemerkenswert sind auch die konstruktiven Eigenschaften in Kombination mit Stahl. Beton als Material kann großen Druck aushalten, aber wenig Zug. Stahl wiederum hat große Zugeigenschaften. Und wenn man beides miteinander verbindet zum Stahlbeton, haben wir ein Baumaterial, das beliebig formbar ist und das alles aushält und trägt, was ein Gebäude oder Bauwerk leisten muss.
Ein Thema Ihrer Betonfachtagung im November in Hannover ist die Innovation. Wo sehen Sie diese aktuell in der Branche?
Ulrich Nolting: Zum einen spielt sie sich innerhalb des Materials ab. Die Zusammensetzung von Zementen wird derzeit weiterentwickelt, unter anderem durch die Verringerung des Klinkeranteils. Was ebenfalls Innovationen anstößt, ist die Frage „Welche Bewehrungen gibt es anstelle von Stahl?“ Mit welchen zukünftigen Bewehrungen können wir schlanker bauen? Das beginnt bei Carbonfasern und reicht über Glasfasern bis hin zu Basaltbewehrungen. Als Stein kann Basalt bei richtiger Behandlung die gleichen Zugeigenschaften wie Stahl entwickeln. Wenn wir auf die klassischen Bewehrungen verzichten, kommen wir zur freien Formbarkeit und dem 3D-Druck. In Zukunft wird es darum gehen, wie man Beton besser thermisch aktivieren kann. Rein technisch ist es jetzt schon möglich, ein Gebäude zu bauen, in dem auf Heizkörper verzichtet werden kann, weil Heiz- und Kühlsysteme direkt durch Wände und Decken verlaufen. Grundsätzlich wird es in den kommenden Jahren im Bauen vor allem um die Fragen der CO2-Reduktion, der Ressourceneffizienz, des Recyclings, des Bauens im Kreislauf, Stichwort: „Cradle to cradle“, und um ergieeffizientes Bauen gehen. Diese Themen prägen derzeit die Weiterentwicklung von Zement und Beton. Wir werden ein Teil der Lösung dieser Herausforderungen sein. Daher macht es große Freude, die Hersteller bei diesem Prozess zu begleiten.