Mit dem durch EU-Gelder geförderten Projekt CO2LLECT setzt Cemex neue Standards in Sachen CO<sub>2</sub>-Abscheidung. Ziel ist es, Emissionen aus der Zementproduktion zu dekarbonisieren und der Klimaneutralität einen großen Schritt näher zu kommen.
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Mit der Carbon Neutral Alliance arbeitet Cemex daran, in Rüdersdorf ab 2030 klimaneutralen Zement herzustellen. Dabei kooperiert das Unternehmen mit Partnern aus der Industrie sowie mit Start-ups, unter anderem aus dem Bereich CCS, kurz für Carbon Capture and Storage.
Mit einer Fördervereinbarung brachten die EU und Cemex im März 2025 das größte CCS-Projekt in Ostdeutschland und im globalen Cemex-Konzern auf den Weg: CO2LLECT ist eine Kooperation mit Linde, einem weltweit führenden Industriegase- und Engineering-Unternehmen, das auf die Technologie zur Abscheidung von CO2 spezialisiert ist. Es wird aller Voraussicht nach auf dem Werksgelände des Rüdersdorfer Zementwerks eine Anlage zur Kohlenstoffabscheidung und -verflüssigung bauen, besitzen und betreiben.
1,3 Millionen Tonnen CO<sub>2</sub> pro Jahr
Die neue Anlage zielt darauf ab, jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen CO2 aus der Zementproduktion abzuscheiden, zu verflüssigen und zu reinigen. Im Anschluss wird das flüssige CO2 in speziell angefertigte Kesselwagen verladen und auf der Schiene zu einem CO2-Zwischenhub transportiert, bevor es zu einem Offshore-Speicher in der Nordsee verschifft wird.
Linde setzt ein hochmodernes, patentiertes CO2-Abscheidungsverfahren ein: Die Linde HISORP® CC-Technologie ist ein adsorptiv-kryogenes Verfahren, das das Abgas direkt an der Emissionsquelle abgreift. Die Gase werden mittels Druck- und Temperaturanpassungen sowie Adsorptionsmitteln behandelt, bis letztlich pures, flüssiges CO2 isoliert wird.
Transport per Schiene
Das flüssige CO2 wird zunächst in Zwischenbehältern gelagert und von dort in spezielle Bahn-Kesselwagen auf dem werkseigenen Güterbahnhof verladen. Die Gleisstrecke führt vom Werk Richtung Norden an Rüdersdorf vorbei, durch Petershagen-Eggersdorf hindurch, auf die DB-Trasse Fredersdorf–Biesdorfer Kreuz. Von dort gelangt das flüssige CO2 zur deutschen Küste.
Den Transport selbst führt ein Eisenbahnverkehrsunternehmen mit speziellen, neu produzierten Kesselwagen durch, erkennbar an ihren orangefarbenen Streifen. Der Transport von CO2 ist als Gefahrguttransport der Klasse 2.3 klassifiziert. Das liegt daran, dass das Gas bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck transportiert wird. Isolation, Sensorik und digitale Überwachung schützen die Wagen gegen Havarien und Fremdeinwirkung. Außerdem gelten national und international vorgeschriebene Sicherheitsprozesse.
Voraussichtlich zwei Züge mit jeweils 36 Wagen fahren täglich voll beladen zur Küste und leer nach Rüdersdorf zurück. Doch der Bahntransport ist nur eine Übergangslösung. Perspektivisch soll das Werk an eine CO2-Pipeline angeschlossen werden.
CO2LLECT
CO2LLECT ist ein bahnbrechendes Projekt zur CO<sub>2</sub>-Abscheidung und -Speicherung im Cemex-Zementwerk in Rüdersdorf, Brandenburg.
Speicherung unter dem Meeresboden
Im Hafen wird das CO2 von den Bahn-Kesselwagen auf ein Schiff umgeladen und zur Einlagerungsstätte transportiert. Dort injizieren Fachleute das CO2 unter den Meeresboden. Länder wie die Niederlande, Großbritannien und Skandinavien nutzen entweder poröse Gesteinsformationen wie Sandstein zur Einlagerung des CO2 oder alte Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Norwegen beispielsweise verfügt bereits über 25 Jahre Erfahrung mit diesem Verfahren.
Energie- und Wasserkreisläufe neu gedacht
CO2LLECT ist energieintensiv. Mit der neuen Anlage benötigt das Zementwerk dreimal so viel Strom wie heute. Um diesen Bedarf zu decken, ist CO2LLECT auf neue Energiequellen angewiesen. Dazu gehören sowohl regionale erneuerbare Energien als auch ein mittelfristiger Netzausbau. Das Projekt wird daher flankiert durch die regionale Erzeugung von grünem Strom sowie eine nachhaltige Kreislaufführung des aus dem Abgaskondensat gewonnenen Wassers.
Ein Teil des Abgasstroms, der sonst in gasförmiger Form durch den Kamin entweicht, wird durch die Abscheidung verflüssigt und in Wasser umgewandelt. Dieses zunächst belastete Prozesswasser leitet Cemex gereinigt und aufbereitet in den Stienitzsee ein. Dadurch wird das Zementwerk Rüdersdorf wasserpositiv. Das bedeutet, dass es mehr Wasser in den See einleitet, als es entnimmt.
157 Millionen Euro Förderung
Die EU fördert das Projekt von 2025 bis 2030 mit insgesamt 157 Millionen Euro aus dem EU Innovation Fund. Dieser Fonds speist sich aus den Einnahmen durch Emissionszertifikate und reinvestiert das Geld in innovative Projekte zur CO2-Reduktion.
Der Zeitplan sieht vor, dass bis Ende 2027 die Vorstudien und Genehmigungsprozesse laufen. Die Baumaßnahmen der Abscheidungsanlage sollen 2028 beginnen und voraussichtlich im ersten Quartal 2030 abgeschlossen sein. So könnte die Anlage Mitte 2030 in Betrieb gehen